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    <title>Erfahrungsbericht 1</title>
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    <description>Erfahrungsbericht 1 vom 23.08.06&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute hätten eigentlich die Schüler kommen sollen. Aber das war wohl nix. Der Schulanfang wurde gestern abend um vier Tage verschoben.&lt;br /&gt;
So kann ich jetzt die Zeit nutzen, um meinen ersten Erfahrungsbericht zu schreiben.&lt;br /&gt;
Also erst mal zu den ganzen Umständen: Auf die Theodor-Schneller-Schule gehen ca. 300 Schüler, d.h. Jungen von der ersten bis zur zehnten Klasse. Sie kommen oft aus sozial schwierigen Verhältnissen und sind zum Teil Christen und zum Teil Muslime. Nach der Schule können die Jungen hier an der Schule noch eine Ausbildung in Metallbau, Holz-, oder Kfz-Mechanik machen. Vielleicht die Hälfte der Erst- bis Zehntklässler sind Internatsschüler, die in sechs Familien hier ihren Wohnsitz haben. Meine Aufgabe ist es, in einer der Familien mitzuhelfen und dem Erzieher im Familienalltag ein bisschen Last abzunehmen. Außerdem kann ich in der Verwaltung mithelfen und werde das Nachmittagsprogramm für die Kinder mitgestalten. Wenn alles gut läuft, wird ein Sportpädagogenteam gebildet, in dem ich mitarbeiten darf. Das wäre natürlich eine schöne Herausforderung. Wahrscheinlich bekomme ich die sechste Klasse mit 23 Jungen, aber das ist alles noch gar nicht sicher. Ich denke, dass wird alles erst an dem Tag entschieden, an dem ich tatsächlich in die Familie bzw. in ein Freiwilligenzimmer umziehe. Mit welchem Erzieher bzw. mit welcher Erzieherin ich zusammen arbeite, weiß ich noch nicht. Da lasse ich mich mal überraschen. Ihr seht, in Jordanien läuft nicht alles so vorausgeplant und konsequent ab. Und wie ihr euch vorstellen könnt, komme ich damit noch ganz gut zurecht. Das ist ja im Grunde genau meine Lebenseinstellung. Mal sehen, ob das auch so bleibt.&lt;br /&gt;
Und vielleicht ist auch das Klima für diese Mentalität verantwortlich. Bei dieser Hitze würde ich in Deutschland die ganze Zeit nur schlafen. Und so verschiebt man auch hier so einiges auf morgen und ruht sich in der Mittagshitze lieber mal aus.&lt;br /&gt;
Das ist schon mal ne ganz neue Erfahrung mitten in der Wüste zu leben. Ich wohne jetzt zwischen Amman und Sarqa. Die beiden Städte gehen aber inzwischen wegen den vielen Palästinensersiedlungen ineinander über. Gleich neben der Schule fängt ein Palästineserviertel an. Da sind wir vorgestern einmal aus Versehen rein gelaufen und dann hat uns gleich die Polizei verfolgt und uns gefragt, was wir da wollten. &lt;br /&gt;
Ansonsten ist Amman eine Stadt voller Gegensätze. Wenn man im Pkw durch Amman rauscht, kann es sein, dass man auf der rechten Seite einen Wagen sieht, wo eine westlich gekleidete Frau mit Kippe in der Hand am Steuer sitzt und auf der linken Seite erkennt man vielleicht auf dem Rücksitz eine unter schwarzer Burka versteckte Familienmutter mit ihren kleineren Kindern.&lt;br /&gt;
Susanne (die andere Freiwillige mit der ich bisher im Guesthouse ein Zimmer teile) hat festgestellt, dass wir eigentlich immer unpasssend gekleidet sind. In Downtown-Amman ist immer viel los und man sieht auf den Straßen hauptsächlich Männer oder streng verschleierte Frauen, zum Teil eben ganz in Schwarz und ohne dass man ein Stück Haut sieht. Tatsächlich haben einige Frauen sogar schwarze Handschuhe an. Anfangs hat das auf mich gruselig gewirkt und ich habe mich bisher auch noch nicht vollständig daran gewöhnt. &lt;br /&gt;
Da fallen wir mit unseren langen und legeren Klamotten, selbst mit Kopftuch natürlich auf und werden ziemlich schnell als Freiwild betrachtet, wahrscheinlich auch einfach weil wir Europäerinnen sind. Das ist manchmal ziemlich stressig. &lt;br /&gt;
In Marka (ein anderer Teil von Amman) sind die Leute, v.a. die muslimischen Frauen sehr schick und gut angezogen und unser Anblick ist im Gegenteil zu ihrem einfach nur verratzt. An der Schule, wo die Leute es gewöhnt sind, dass Christinnen eher westlich gekleidet sind, scheint es vielleicht fast übertrieben, wie anständig und körperunbetont wir herumlaufen. Und da habe ich gleich wieder einen Fehler gmacht: Ich habe meine Schuhe ausgezogen. Zufällig kam genau in diesem Moment ein Polizist vorbei und hat mich sofort mehrmals auf meine nackten Füße angesprochen, solange, bis ich endlich kapiert habe, dass ich mir in Zukunft besser wieder Sandalen anziehe.&lt;br /&gt;
Was mich ein bisschen anstrengt, ist, dass es in der Öffentlichkeit so schwierig ist, mit Frauen zu reden. Gestern gab es z.B. so ne Situation: &lt;br /&gt;
Wir waren abends spazieren, die zwei Jungs, Susanne und ich. Dann sind wir an einem kleinen Laden vorbeigekommen. Ein Mann hat uns so wie überall angesprochen mit: Welcome in Jordan. Das ist eine echt nette Geste und die Jordanier bzw. Palästinenser wollen tatsächlich nur gastfreundlich sein, bieten Tee und Cola an, ohne ans Verkaufen zu denken. Kaum sind wir stehen geblieben, kam ein zweiter Mann und dritter....und sie haben sich vorgestellt und alle ihre Söhne aufgezählt und die Söhne der Söhne und Onkels ...und fünf Minuten später waren 20 männliche Leute im Alter von 13 bis 60 Jahren um uns herumgestanden. Ein Mädchen ist kurz mit ein paar Einkäufen vorbeigehuscht und im Haus verschwunden. Nach einer Weile haben wir bemerkt, dass oben auf der Terasse versteckt die Frauen stehen und uns beobachten. Als wir sie entdeckten, sind sie schnell kichernd fortgerannt.&lt;br /&gt;
Zum Thema Verkehr gibt es noch was zu sagen: Nach mehreren gescheiterten Versuchen, zügig über die Straße zu kommen, mutmaßte Matthias (auch ein Freiwilliger), dass es vielleicht besser sei, wenn wir die Straße nicht als Ganzes sehen, sondern stattdessen Spur für Spur denken. Nach kurzer Pause fügte er dann noch hinzu:Nur blöd, dass es keine Spuren gibt.&lt;br /&gt;
Mit dem Arabisch lernen geht es übrigens auch voran. Ich habe es mir die letzten Tage angewöhnt, abends mit den Töchtern und Söhnen der Erzieher und anderen Beschäftigten Fußball zu spielen und da unterhält man sich und lernt so einige Wörter. Später am Abend lerne ich dann meistens noch ein bisschen mit den älteren Jungen und das ist schon machmal ziemlich lustig, wenn ich z.B. zum fünften Mal das Wort Tisch (taulä) falsch ausspreche und die Jungs dann die Hände zum Himmel heben und im Chor Allah rufen.&lt;br /&gt;
Mist, jetzt weigern sich die Frauen in der Wäscherei, Damenunterwäsche zu waschen. Also lege ich jetzt mal ein lustiges Waschstündlein ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele liebe Grüße und bis zum nächsten Mal...Euere Katharina&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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    <dc:date>2006-08-22T13:29:00Z</dc:date>
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